Autismus gehört zu den neuronalen Entwicklungsvarianten und ist mit einer veränderten Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung verbunden. Er zeigt sich in einem breiten Spektrum von Besonderheiten, unter anderem in der sozialen Interaktion, der Kommunikation sowie in Interessen und Verhaltensweisen. In der aktuellen internationalen Klassifikation (ICD-11) wird dies als Autismus-Spektrum-Störung beschrieben. Die einzelnen Merkmale können dabei sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Menschen im Autismus-Spektrum lernen, denken und kommunizieren anders als neurotypische Menschen. Die Umwelt kann als unübersichtlich oder schwer vorhersehbar erlebt werden, was im Alltag häufig zu Verunsicherung führt. Wiederkehrende Abläufe, klare Strukturen und feste Routinen können dabei helfen, Orientierung und Sicherheit zu gewinnen. Für Außenstehende wirken diese Verhaltensweisen mitunter ungewöhnlich und erschweren das gegenseitige Verständnis.
Viele Reize – insbesondere in sozialen Situationen – werden aufgrund einer anderen Verarbeitung von Informationen im Gehirn nicht automatisch erkannt oder eingeordnet. Gestik, Mimik, Zwischentöne oder unausgesprochene Erwartungen können schwer verständlich sein. Dies kann im Alltag immer wieder zu Missverständnissen, Überforderung oder Rückzug führen.
Wie kann sich Autismus im Alltag anfühlen?
Aussagen von Menschen im Autismus-Spektrum geben einen Einblick in ihre Innenperspektive und zeigen, wie herausfordernd alltägliche Situationen sein können:
„Es gibt Gerüche, die sind so unangenehm für mich, dass ich in Panik verfalle und laut schreie.“
„Regeln und Routinen helfen mir im Alltag. Wenn eine kurzfristige Veränderung eintritt, bringt mich das völlig aus der Bahn.“
„Ich hätte auch gerne Freunde, aber ich weiß nicht, wie Freundschaft geht.“
„Ich kann stundenlang über mein Lieblingsthema erzählen.“
„Mit einer Verabredung um kurz nach drei kann ich nichts anfangen, das ist keine konkrete Zeitangabe.“
Diese Beispiele verdeutlichen, dass autistische Wahrnehmung und Verarbeitung nicht defizitär sind, sondern anders funktionieren – mit Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche.
Ursachen und Entwicklung
Die Ursachen von Autismus sind bis heute nicht vollständig geklärt. Aktuelle Forschungsergebnisse gehen von einem Zusammenwirken mehrerer Faktoren aus. Als Grundlage wird eine genetische und neurobiologische Besonderheit angenommen. Umweltfaktoren können den individuellen Verlauf beeinflussen, gelten jedoch nicht als Ursache.
Autismus und Teilhabe
Die beschriebenen Besonderheiten wirken sich in sehr unterschiedlicher Weise auf Beziehungen, Lernen, Arbeit und soziale Teilhabe aus. Unterstützung sollte daher immer individuell ausgerichtet sein und an den jeweiligen Stärken, Bedürfnissen und Lebensumständen ansetzen.